Harry Potter für Erwachsene? Lev Grossman, The Magicians

Lev Grossman, The Magicians, Arrow Books 2009, ISBN: 978-0099534440

Warnung: der folgende Text enthält Spoiler!

 

Selten waren meine Erwartungen so hoch. Wenn die New York Times ein Buch als den Harry Potter für Erwachsene anpreist, dann höre ich nicht nur hin, sondern bestelle auch umgehend. So kam Lev Grossmanns „The Magicians“ in mein Bücherregal und mit in den Weihnachtsurlaub – ein seltenes Privileg. Dass der Band den Auftakt einer Trilogie darstellt, hat für mich den Reiz nur erhöht.

Die Geschichte handelt von Quentin Coldwater, einem begabten Schüler, der nach einem geplatzten Interview für einen Studienplatz an der Universität Princeton die Chance erhält, die Aufnahmeprüfung am Brakebills College abzulegen, einer Hochschule für Magier. Der verträumte Außenseiter besteht prompt die Prüfung, lässt alte Freunde und Familie auf der Stelle zurück und stürzt sich in das Collegeleben der Magier. Der Leser folgt Coldwater während seiner Zeit in Brakebills ebenso wie in der hedonistischen, von Alkohol und Drogen geprägten Zeit nach seinem Studium. Der Fixpunkt der Geschichte ist jedoch von der ersten Szene an Fillory, eine Narnia-esque Parallelwelt. Fillory ist für Quentin zunächst imaginärer Zufluchtsort, der auf einer populären Kinderbuchreihe basiert. Im Erzählverlauf wird jedoch deutlich, dass Fillory sehr wohl außerhalb der Imagination Quentins und seiner Freunde existiert. Allerdings stimmt das Land nur bedingt mit dem Idyll der Kindheits- und Jugendträume überein.

„The Magicians“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Potpourri des klassisch-eskapistischen Fantasyromans, nicht umsonst erinnert das Brakebills College for Magical Pedagogy an ein nordamerikanisches Hogwarts. Grossmans Hang zum Eklektizismus stellt sich als eine der größten Stärken des Bandes heraus, der ansonsten deutlich unter einer sprunghaften Handlungsführung und einer gewissen Sterilität der Figuren leidet. Gerade das Sampling bekannter Topoi der Fantasyliteratur macht den Roman und die Welt, die darin erschaffen wird, interessant: Grossman stößt auf die Ungereimtheiten, auf die Abgründe, die in den Geschichten bekannter und beliebter Fantasyautoren lurken. So wird die Frage nach Kindesmissbrauch angesprochen (warum sollte sich ein Kind in einem dunklen Uhrkasten verstecken und so durch Zufall Fillory entdecken?), während die Konzeption von Fillory als eine von vielen möglichen, doch weitgehend unzugänglichen Parallelwelten Philip Pullmans His Dark Materials-Trilogie heraufbeschwört. Magie an sich wird zum Handwerk, das in stundenlangen Repetitionen mühsam erarbeitet wird, während das wahre Minenfeld für die Zauberer in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu lauern scheint.

Nun stellt sich die Frage: Ist es der neue Harry Potter, diesmal für Erwachsene? Definitiv nicht – eher ein nicht jugendfreies Narnia des 21. Jahrhunderts. Waren meine Erwartungen zu hoch? Definitiv. Trotzdem werde ich die beiden nächsten Bände lesen, jedoch mit deutlich gesenkten Erwartungen.

 

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One Comment

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  1. Das klingt nach nem Buch, das mir auch gefallen könnte. Komisch, dass das bisher vollkommen an mir vorbeigegangen ist. Hab ich da nen Hype verpasst?

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