Von Filmen und Langeweile

Confession time: Viele Kinofilme langweilen mich. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Handlung der Filme an sich langweilig ist, obwohl das sicherlich eine Rolle spielt – mir kommt es vielmehr als ein Problem der Konditionierung vor, als ein Mangel an Training. Versteht mich nicht falsch – ich bin die letzte, die die Masse an weitgehend uninteressanten, vor Action oder Horror strotzenden Filmen in den Kinos leugnet. Nur habe ich langsam den Verdacht, dass mein Desinteresse auch einfach an mir liegen kann.

Klar: die Entwicklung der amerikanischen Filmindustrie seit den 1990er Jahren zu mehr Actionfilmen ist unübersehbar; eine Tendenz, auf die beispielsweise Hadley Freeman aufmerksam gemacht hat. Gerade der Trend zu Superhelden-Epen sticht hier hervor, der seit der Spider Man-Trilogie mit Tobey Maguire ab dem Jahr 2002 unaufhaltsam scheint. Damit habe ich an und für sich kein Problem: Ich mag Superhelden-Verfilmungen. Dennoch gibt es wenig Filme, die ich ohne einen Blick auf die Uhr aushalte. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich älter werde und meine Aufmerksamkeitsspanne nachlässt, vielleicht bin ich einfach auch nur ein Youtube-geprägter Millennial, der sich nicht länger als ein Vlog auf ein Thema konzentrieren kann. Mag sein – angesichts meines Serienkonsums, Amazon Prime und Netflix sogar ziemlich wahrscheinlich.

Der letzte Film, der mich von den Opening Credits bis zum Abspann gefesselt hat, war La La Land. Viel wurde über diesen Film geschrieben; eigentlich ist er schon längst durch in der Aufmerksamkeitsspanne des Internets. Davon abgesehen, dass es viele mögliche Gründe gibt, La La Land zu lieben oder zu hassen, hat er mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, welche Eigenschaften ein Film haben muss, damit ich nach einem Drittel das Bedürfnis habe, E-Mails zu checken. Die für mich überraschende Erkenntnis war, dass die Handlung dabei wichtig, aber nicht entscheidend ist. Entscheidend ist, dass mich der Film auf unterschiedlichen Ebenen anspricht.

La La Land ist ein gutes Beispiel dafür: nicht allein die Handlung zog mich mit (suchende und von Ehrgeiz getriebene Hauptdarsteller – ich bin dabei), auch Garderobe, Make up, Stilzitate, Retroästhetik, Kameraführung und nicht zuletzt die Musik hielten mich vom Griff zum Handy ab. Interessanterweise war es gerade die Kombination von Dingen, mit denen ich mich auch sonst beschäftige: Ein Beispiel für mich ist eine Kameraeinstellung, in der eine Bestellung im Coffee Shop in der besonders auf Instagram und Blogs üblichen Flatlay-Ästhetik gezeigt wird, die dann aber in die Szene zoomt.

Die wenig überraschende Moral von der Geschichte? Filme, die eine gute Geschichte mit Witz erzählen, dabei aber zeitgleich meine anderen Interessen ansprechen, halten mich – auf unterschiedlichen Ebenen – im Bann. In diesem Fall war es La La Land, es hätte aber auch ein beliebiger anderer Film sein können, solange er nicht eindimensional ist. Das Äquivalent in den Serien war und ist übrigens Gilmore Girls, dicht gefolgt von The good Wife. Davon aber später vielleicht mehr.

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